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Trips & Images



Chambley 57e rassemblement de constructeurs, amateurs et collectionneurs d´avion 2004


Die Mutter aller Fly-In ? –


Wer nicht in Chambley oder Epinal oder Cranfield war weiß nicht, was an Fliegertreffen möglich ist. Bestenfalls „die Hahnweide“ bei Stuttgart kommt da noch mit. Soweit die Historie. „Da musst Du einfach mit hin, Hubsi!“ insistierte Fritze, mein oller Flugmentor seit Jahren.

Na gut! So viel überredet muss ich gar nicht werden, zumal mitten im Urlaub. Am Freitag d. 16 Juli morgens um 09:00 regnet es in Strömen in Berlin. Am Freitag d. 16 Juli mittags um 12:00 regnet es in Strömen in Berlin. „Nun kommt schon rüber nach Peine, hier sind die Sichten mehr als 15 km bei Wolkenuntergrenzen von 1500 ft. Das passt!“ Am Freitag d. 16 Juli 13:00 regnet es in Strömen auf der Fahrt nach Kyritz. Meine Frau hat mich vor 15 min für verrückt erklärt und mir, im Falle eines Schlechtwetterunfalles, mit massivem Liebesentzug gedroht. Ich fahre von der Autobahn in Neuruppin ab und der Regen hört auf. Die Sicht ist glasklar. Nur das mit den Untergrenzen…na ja, nach Peine gibt’s keine Berge.

Greulie, mein Co-Pilot steht schon mit Schlaf- und Rucksack am Hangar. Tanken, Einladen & Take off. 1 Stunde 250° nach Peine in 1000 Füßchen. Kurz vor der Landung im Funk: „D-ESHD wo seid ihr?“ „Gleich bei Euch in Peine, noch 10 min!“

Dort stehen die anderen drei Emerauders schon mit scharrenden Hufen. Fritz und Brigitte in der D-EEAD, Andreas mit seiner D-EDPY. Für Letzteren wird es sein Premierenüberlandflug. Hab schon den Flugplan für uns alle drei als Formation gefiled. Routing Peine-WRB-Arpe-Koblenz-Trier-Thionville-Chambley. Evtl. nochmals tanken in Trier! Unsere Verständigung 123.45 “ wedelt Fritz mit den Dokumenten.

Um 14.52 Ortszeit heben wir unsere Räder von der Bahn 25 in Peine. Und es wird duster über Hildesheim. Und es wird dusterer über Warburg. „Nur ruhig Freunde, da hinten wird’s schon wieder hell!“ Cooler Hund, wehe das stimmt nicht! 3500ft über Bad Berleburg; Arpe VOR, der Himmel reißt auf. Gleißendes Licht. Sonnenbrillen rauskramen. Die Anspannung ist abgefallen und Genuss pur gewichen. Nächstes Fix Koblenz. 80kn groundspeed. Das ist wenig. Das heißt, doch tanken in Trier. Das Rheintal, das Moseltal liegt unter uns. Glasklare Luft. Es ist einfach nur schön. 17:15 setzen wir alle drei in Trier auf und rollen zum Tanken.

Dort steht schon Manfred Böse mit seinem wunderschönen Sky-Bolt-Doppeldecker-Eigenbau aus Hamm „Hallo, die Herrschaften! Sieht man sich auch mal wieder! Wollt Ihr gleich weiter nach Chambley? Anne und ich bleiben hier, die haben keine Unterkünfte dort im no-where. Auf Anfrage teilte man uns mit, man könne uns da nicht helfen.“ Ich habe auch kein Zelt dabei. Lange Schreibe kurzer Sinn: Wir beschließen, auch hier in Trier uns einen gemütlichen Abend zu machen und 50-Minuten-Rest morgen früh zu viert abzurattern.

Am nächsten Morgen sollten wir um 08:15 abgeholt werden. Der Taxifahrer, diesmal ein anderer, aber ebenfalls Typ verkrachter Rock-Opa, kommt kurz vor 09:00. „Wenn Euch was nicht passt, kann ich ja wieder fahren. Ist das klar?“ Zündet sich eine Kippe an, dreht das Radio volle Pulle auf und betrachtet uns als lästige payload. Wir sitzen zähneknirschend in dem Kleinbus.

Um 10:29 heben vier schöne Flugzeuge mit noch schöneren Insassen Richtung Frankreich ab. Ein Schleppwirbel beim Start, von dem keiner weiß woher er kam, ließ mich in 10mtr Höhe fast eine Rolle machen und pumpte mir für den Rest des Fluges eine saftige Portion Adrenalin in die Adern.

Ab Metz rasten wir die angegebenen Frequenzen. Aber „die Pflichttonbandfrequenz“ schweigt, also 130,20 Chambely-Operations rasten. Ein babylonisches Gebrabbel kommt aus dem Kopfhörer! Wir versuchen dazwischen zu melden. Mit sehr wenig Erfolg. Fritz kann eine einzige Positionsmeldung für unseren Verband durchgeben. Das war’s dann auch. Am Horizont in Mitten wogender Getreidefelder liegt die riesige von den Amerikanern Ende der 60er schon verlassenen Airbase mit seiner 3000 mtr langen Asphaltbahn. Diesem Monstrum wird nur einmal im Jahr, anlässlich dieses Treffens wieder Leben eingehaucht. Ab sofort gilt „see and avoid“. Wir reihen uns vorsichtig aber beherzt in die Kette anfliegender Exponate ein und es klappt vorzüglich. Am Boden sind schon ca. 350 Flugzeuge aufgereiht und wir werden auch eingewiesen. Die sehr jungen Tankwarte auf ihren mobilen TOTAL-Tankfahrzeugen weigern sich allen Ernstes Wechselgeld rauszurücken!

Bei der Registration zahlen wir pro Kopf 10,-- €, bekommen ein Schildchen an einem Bändchen und erhalten auf die Frage nach einer Unterkunft ein Achselzucken. Manfred und Anne beschließen, am Abend wieder nach Trier zu fliegen. Wir erkundigen uns nach dem Wetter. Gewitter werden für den Abend erwartet. Der Lehmboden ist betonhart und unsere Erdanker lassen sich nicht eindrehen. Wir verholen deshalb, nach etwas Diskussion mit der Organisation alle unsere drei Emeraudes in den Windschatten einer Hecke am Rande des Flugfeldes. Wo eine französische „Hautvoleé“-Familie mit einem Bell Jet Ranger Helicopter ein Picknick macht.

Brigitte, Fritz, Andreas und Greulie bauen ihre Zelte auf, nur ich weiß nicht was tun. Egal, irgendwas wird schon geschehen. Lass die Schafe kacken, das Gras wächst trotzdem. Wir trinken erst mal ein kaltes Bier und viel viel viel Wasser. Es ist furchtbar heiß und schwül. In der Sonne liegen, dösen und zwischen den Buden und Fliegern umherstromern ist angesagt.

Gegen 17:00 ziehen schwarze Gewitterwolken auf. Manfred und Anne setzen sich in ihren Doppeldecker und entkommen dem Fiasko zurück nach Trier. Es schüttet in Kübeln! Die Idee mit dem Heckenwindschatten des alten Fuchses Fritz war goldrichtig. Die Böenwalze ließ so manchen stolzen Piloten einen Veitstanz um sein Flugzeug, wie ein indianischer Medizinmann aufführen. Als das Gewitter durch war, herrschte richtig Frieden bei wunderbarer Luft und idealem Spazierwetter an diesem Sommerabend. Tolle Flugzeuge sind dabei!

Greulie knipst sich Blasen an die Finger. Hoffentlich berichtet die Fachpresse noch drüber. Dies wäre einen eigenen Aufsatz wert. Das extrem teure Abendessen ließen wir uns noch schmecken, Kantinenqualität für 15,-- €, doch die Preisverleihungen für die schönsten Flugzeuge, ausschließlich in französischer Sprache und ausschließlich an Franzosen, ließen wir zu Gunsten zweier Flaschen Rotwein am Flugzeug im Liegestuhl ausfallen.

Ich zog gegen 21.00 los, um mich um meine Unterkunft zu sorgen. Und es gelang! Ich konnte einen RSA-Kameraden mit Englischkenntnissen ausfindig machen, welcher mir die Telefonnummer eines Hotels und einer Taxiunternehmung aufschrieb. Alles ok! Hotel in einem Ort 20 KM entfernt, 52,-- € mit „petit dejeuner“ und das Taxi ( ca. 18,-- €) wird mich um 23.00 Uhr am Tower abholen. (Un Monsieur avec un Anorak rouge ).

Das Taxi war da. Chic, ein nagelneuer Skoda, superb. Der Fahrer brabbelte in Französisch von allen möglichen Tarifen. „Tarife nuit, tarife weekend, tarife rurale…“ Im Laufe der 20 minütigen Fahrt bemerkte ich, dass der Freund recht gut englisch sprach und vor allem, dass sich die diversen Tarife brutal auf das Taxameter niederschlugen. Am Hotel angekommen: 45,-- €! Und das Angebot, mich morgen um 08.30 wieder abzuholen. Ich konnte im Siegel der Verschwiegenheit den Tarif merklich drücken, doch war ich richtig sauer. Taxi so teuer wie das Hotel.

Sonntag 18.07.Das Hotel, bzw. das angeschlossene Motel, war ok. Das Frühstück dito. Am Nebentisch vernahm ich die deutsche Sprache. „Ja klar nämet wir se mit…“ sagten die freundlichen Herren von Becker Avionik aus Rastatt. Der Tag begann gut. Der Taxifahrer konnte mir gestohlen bleiben. „Cést na pas nessesaire! Merci Monsieur!“

Meine eisenharten Campingfreunde lagen noch „im Sauer“. Das Wetter war leidlich, doch am Horizont drohten mächtige Gewitterwolken an diesem Sonntagmorgen. „Los Freunde wir müssen los!“…“Nix da frühstücken, duschen, ausruhen...“ Na gut. Freizeit, Urlaub.

Ich schlenderte zum Wetterdienst. Es hingen nur TAF-Telex aus. Sah nicht sehr lecker aus. Der leibhaftige Wetterberater sprach kein Englisch. Wir vereinbarten aber radebrechend, dass ich in zehn Minuten ein „Bulletin meteorligue“ für Berlin haben könne. Ich gesellte mich zu den anderen zu schwarzem Kaffee und Croissant ins Festzelt. Zwei englische Oldtimer, „Herr wie Gscherr“, very elder gentlemen, very gentlemenlike, kamen mit mir ins Gespräch. Sie mussten nach Leeds. „No Chance at all!“ Sie hatten gute Wetterkarten. Auf meine Situation angesprochen, sagte einer durch dicker Brille sorgenvoll: „I am afraid you misted the gap this morning!“ Wir Deutsche gingen beratschlagend dann zusammen zu unseren Flugzeugen. Kaum dort, ging der Höllentanz schon los. Es gießt in Kübeln und wir liegen zwei Stunden unter den Flügeln und kalauern uns durch den Mittag. Eigentlich ganz nett, eigentlich sehr beklemmend. Es plätscherte im Rumpf! Mist, da ist Wasser drin! Es half alles nichts: Mit dem Leatherman wurden kleine Löcher in Höhe der Spornbefestigung in die Bespannung gebohrt. Aus der PY laufen fast 5 ltr Regenwasser. Aus meiner angebohrten Schönheit bestimmt auch zwei.

Gegen 14:00 rufe ich beim Wetterdienst in Hamburg an. Nur wenn wir lebensmüde sind, könnten wir nach Osten fliegen, schwerste Gewitter über den Mittelgebirgen. Im Falle wir hätten ein sehr schnelles Flugzeug, könnten wir sofort startend bis Würzburg durchkommen.

Wir sind nicht lebensmüde und wir haben kein s e h r schnelles Flugzeug. Also noch eine Nacht hier? NEIN! Mittlerweile ist jedes Hosenbein voll mit rotem Lehm. Die Schuhe quietschen vor Nässe. Fritz und Brigitte beschließen, nach Westen zu fliegen, Richtung Amboise. Wir telefonieren mit Trier. Dort ist das Gewitter gerade durch und alles klar. Also los geht’s:

Wasser von den Flächen wischen. Alles gut verstauen und ab nach Trier. Um 15.45 heben wir ab, um geschoben von einem kräftigen Wind 45 Minuten später in Trier zu landen.

Dort werden wir freundlich empfangen. Andrea, eine nette Lady vom ansässigen Aeroclub, bringt uns zum Hotel Leinenhof. Wir checken auf preiswerten sauberen Zimmern für 35,-- € incl. Frühstück ein und sie bringt uns wieder zurück zum Flugplatz, wo wir ein wenig helfen, die Tische vom verregneten, leider weitgehend verpatzten Flugtag, aufzuräumen. Dafür kriegen wir einen Hangarplatz für unsere Emeraudes und das eine oder andere kühle Bierchen. Jedenfalls fallen wir spät abends steinmüde ins gemachte Bett.

Montag, 19. Juli. Die Sonne scheint. Das Frühstück schmeckt. Die Frau Wirtin bietet uns an, uns zum Flugplatz zu bringen. Der Tag beginnt Klasse. Halle aufschieben. Flieger rausziehen. Ein Liter Öl reinkippen und schnell noch den vergessenen Hotelzimmerschlüssel am Tower mit einer Entschuldigung deponieren. Und los geht’s um 10:28. Der Flug nach Hause entschädigt für den verpissten Sonntag. Das Moseltal und das Rheintal liegen im Dunst.

Die Sonne scheint uns auf den Pelz. Ab Koblenz beginnt es thermisch zu holpern und wir beschließen, über die Wolken zu steigen, das geht langsam von 3500ft auf FL55. Schön, einfach nur schön. Der Motor schnurrt beruhigend. Sauber leanen. 2500 rpm. 180kmh IAS (meine Emeraude hat einen KMH-Messer) 117 kn GPS-groundspeed. Wir, von der HD, beschließen Andreas noch bis Peine zu begleiten, zu landen und eine Tasse Kaffee zu nehmen, obwohl der Sprit bis Kyritz gereicht hätte. 40nm vor EDVP also gilt es, das Loch in der Wolkendecke zu finden. Wir müssen gar nicht suchen, bei Bad Lippspringe sind wir wieder auf 1500 ft und holpern in der Thermik Richtung Peine.

Der Flug von Peine nach Kyritz ist der „fliegerischen Ausbildung“ von Greulie gewidmet. Jaaa, in sanfter Wintermorgenluft kann jeder fliegen! Aber hier schöööön Höhe und Kurs halten. Immer schön locker bleiben! Es wird immer besser….Nee, mein Freund landen bei 15kn cross in Kyritz will ich lieber selber…Aber dort gibt es ja seit neuestem eine Grasbahn parallel zur Asphaltbahn und somit nix zum Stolpern für einen Spornradflieger. Um 14.24 Ortszeit ist unser Abenteuer glücklich zu Ende.

Gesamtflugzeit: 7:59 h

Fazit: Jeder dieser großen „Ausflüge“ hatte seinen eigenen Charme. Dieser war sehr stressig, doch gilt auch hier: Erinnerung ist das Paradies, aus dem wir nie vertrieben werden.

Gefühlte Noten? Freitag: 2 Samstag: 3-4 Sonntag: 5-6 Montag: 1*