Die Mutter aller Fly-In ? –
Greulie, mein Co-Pilot steht schon mit Schlaf- und Rucksack am Hangar. Tanken, Einladen & Take off. 1 Stunde 250° nach Peine in 1000 Füßchen.
Kurz vor der Landung im Funk: „D-ESHD wo seid ihr?“ „Gleich bei Euch in Peine, noch 10 min!“
Um 14.52 Ortszeit heben wir unsere Räder von der Bahn 25 in Peine. Und es wird duster über Hildesheim. Und es wird dusterer über Warburg. „Nur ruhig Freunde,
da hinten wird’s schon wieder hell!“ Cooler Hund, wehe das stimmt nicht! 3500ft über Bad Berleburg; Arpe VOR, der Himmel reißt auf. Gleißendes Licht.
Sonnenbrillen rauskramen. Die Anspannung ist abgefallen und Genuss pur gewichen. Nächstes Fix Koblenz. 80kn groundspeed. Das ist wenig. Das heißt,
doch tanken in Trier. Das Rheintal, das Moseltal liegt unter uns. Glasklare Luft. Es ist einfach nur schön. 17:15 setzen wir alle drei in Trier auf und rollen zum Tanken.
Dort steht schon Manfred Böse mit seinem wunderschönen Sky-Bolt-Doppeldecker-Eigenbau aus Hamm „Hallo, die Herrschaften! Sieht man sich auch mal wieder!
Wollt Ihr gleich weiter nach Chambley? Anne und ich bleiben hier, die haben keine Unterkünfte dort im no-where. Auf Anfrage teilte man uns mit, man könne uns
da nicht helfen.“ Ich habe auch kein Zelt dabei. Lange Schreibe kurzer Sinn: Wir beschließen, auch hier in Trier uns einen gemütlichen Abend zu machen und
50-Minuten-Rest morgen früh zu viert abzurattern.
Am nächsten Morgen sollten wir um 08:15 abgeholt werden. Der Taxifahrer, diesmal ein anderer, aber ebenfalls Typ verkrachter Rock-Opa, kommt kurz vor 09:00.
„Wenn Euch was nicht passt, kann ich ja wieder fahren. Ist das klar?“ Zündet sich eine Kippe an, dreht das Radio volle Pulle auf und betrachtet uns als lästige payload.
Wir sitzen zähneknirschend in dem Kleinbus.
Ab Metz rasten wir die angegebenen Frequenzen. Aber „die Pflichttonbandfrequenz“ schweigt, also 130,20 Chambely-Operations rasten. Ein babylonisches
Gebrabbel kommt aus dem Kopfhörer! Wir versuchen dazwischen zu melden. Mit sehr wenig Erfolg. Fritz kann eine einzige Positionsmeldung für unseren
Verband durchgeben. Das war’s dann auch. Am Horizont in Mitten wogender Getreidefelder liegt die riesige von den Amerikanern Ende der 60er schon
verlassenen Airbase mit seiner 3000 mtr langen Asphaltbahn. Diesem Monstrum wird nur einmal im Jahr, anlässlich dieses Treffens wieder Leben eingehaucht.
Ab sofort gilt „see and avoid“. Wir reihen uns vorsichtig aber beherzt in die Kette anfliegender Exponate ein und es klappt vorzüglich. Am Boden sind schon
ca. 350 Flugzeuge aufgereiht und wir werden auch eingewiesen. Die sehr jungen Tankwarte auf ihren mobilen TOTAL-Tankfahrzeugen weigern sich allen
Ernstes Wechselgeld rauszurücken!
Brigitte, Fritz, Andreas und Greulie bauen ihre Zelte auf, nur ich weiß nicht was tun. Egal, irgendwas wird schon geschehen. Lass die Schafe kacken, das Gras
wächst trotzdem. Wir trinken erst mal ein kaltes Bier und viel viel viel Wasser. Es ist furchtbar heiß und schwül. In der Sonne liegen, dösen und zwischen den
Buden und Fliegern umherstromern ist angesagt.
Gegen 17:00 ziehen schwarze Gewitterwolken auf. Manfred und Anne setzen sich in ihren Doppeldecker und entkommen dem Fiasko zurück nach Trier. Es
schüttet in Kübeln! Die Idee mit dem Heckenwindschatten des alten Fuchses Fritz war goldrichtig. Die Böenwalze ließ so manchen stolzen Piloten einen Veitstanz
um sein Flugzeug, wie ein indianischer Medizinmann aufführen. Als das Gewitter durch war, herrschte richtig Frieden bei wunderbarer Luft und idealem Spazierwetter
an diesem Sommerabend. Tolle Flugzeuge sind dabei!
Greulie knipst sich Blasen an die Finger. Hoffentlich berichtet die Fachpresse noch drüber. Dies wäre einen eigenen Aufsatz wert. Das extrem teure Abendessen
ließen wir uns noch schmecken, Kantinenqualität für 15,-- €, doch die Preisverleihungen für die schönsten Flugzeuge, ausschließlich in französischer Sprache und
ausschließlich an Franzosen, ließen wir zu Gunsten zweier Flaschen Rotwein am Flugzeug im Liegestuhl ausfallen.
Ich zog gegen 21.00 los, um mich um meine Unterkunft zu sorgen. Und es gelang! Ich konnte einen RSA-Kameraden mit Englischkenntnissen ausfindig machen,
welcher mir die Telefonnummer eines Hotels und einer Taxiunternehmung aufschrieb. Alles ok! Hotel in einem Ort 20 KM entfernt, 52,-- € mit „petit dejeuner“ und
das Taxi ( ca. 18,-- €) wird mich um 23.00 Uhr am Tower abholen. (Un Monsieur avec un Anorak rouge ).
Sonntag 18.07.Das Hotel, bzw. das angeschlossene Motel, war ok. Das Frühstück dito. Am Nebentisch vernahm ich die deutsche Sprache. „Ja klar nämet wir se mit…“ sagten
die freundlichen Herren von Becker Avionik aus Rastatt. Der Tag begann gut. Der Taxifahrer konnte mir gestohlen bleiben. „Cést na pas nessesaire! Merci Monsieur!“
Ich schlenderte zum Wetterdienst. Es hingen nur TAF-Telex aus. Sah nicht sehr lecker aus. Der leibhaftige Wetterberater sprach kein Englisch. Wir vereinbarten
aber radebrechend, dass ich in zehn Minuten ein „Bulletin meteorligue“ für Berlin haben könne. Ich gesellte mich zu den anderen zu schwarzem Kaffee und
Croissant ins Festzelt. Zwei englische Oldtimer, „Herr wie Gscherr“, very elder gentlemen, very gentlemenlike, kamen mit mir ins Gespräch. Sie mussten nach Leeds.
„No Chance at all!“ Sie hatten gute Wetterkarten. Auf meine Situation angesprochen, sagte einer durch dicker Brille sorgenvoll: „I am afraid you misted the gap this
morning!“ Wir Deutsche gingen beratschlagend dann zusammen zu unseren Flugzeugen. Kaum dort, ging der Höllentanz schon los. Es gießt in Kübeln und wir liegen
zwei Stunden unter den Flügeln und kalauern uns durch den Mittag. Eigentlich ganz nett, eigentlich sehr beklemmend. Es plätscherte im Rumpf! Mist, da ist Wasser
drin! Es half alles nichts: Mit dem Leatherman wurden kleine Löcher in Höhe der Spornbefestigung in die Bespannung gebohrt. Aus der PY laufen fast 5 ltr Regenwasser.
Aus meiner angebohrten Schönheit bestimmt auch zwei.
Die Sonne scheint uns auf den Pelz. Ab Koblenz beginnt es thermisch zu holpern und wir beschließen, über die Wolken zu steigen, das geht langsam von 3500ft
auf FL55. Schön, einfach nur schön. Der Motor schnurrt beruhigend. Sauber leanen. 2500 rpm. 180kmh IAS (meine Emeraude hat einen KMH-Messer) 117 kn
GPS-groundspeed. Wir, von der HD, beschließen Andreas noch bis Peine zu begleiten, zu landen und eine Tasse Kaffee zu nehmen, obwohl der Sprit bis Kyritz
gereicht hätte. 40nm vor EDVP also gilt es, das Loch in der Wolkendecke zu finden. Wir müssen gar nicht suchen, bei Bad Lippspringe sind wir wieder auf 1500 ft
und holpern in der Thermik Richtung Peine.
Der Flug von Peine nach Kyritz ist der „fliegerischen Ausbildung“ von Greulie gewidmet. Jaaa, in sanfter Wintermorgenluft kann jeder fliegen! Aber hier schöööön
Höhe und Kurs halten. Immer schön locker bleiben! Es wird immer besser….Nee, mein Freund landen bei 15kn cross in Kyritz will ich lieber selber…Aber dort
gibt es ja seit neuestem eine Grasbahn parallel zur Asphaltbahn und somit nix zum Stolpern für einen Spornradflieger. Um 14.24 Ortszeit ist unser Abenteuer
glücklich zu Ende.
Gesamtflugzeit: 7:59 h